Typklassen: So funktioniert die Einstufung der Automodelle

Ob Ford Fiesta, Audi A3 oder Renault Twingo: Das Fahrzeugmodell beeinflusst maßgeblich die Höhe der Kfz-Versicherung. Wer sich einen Gebraucht- oder Neuwagen kaufen möchte und viel Wert auf einen günstigen Kfz-Versicherungsbeitrag legt, ist daher gut beraten, die Typklasse in die Kaufentscheidung miteinzubeziehen. Die Preisunterschiede zwischen den Typklassen sind häufig enorm und können die Kosten für den Unterhalt eines Autos erheblich steigern. Autofahrer sollten daher wissen, was eine Typklasse eigentlich ist und welche Faktoren die Einstufung in Typklassen beeinflusst.

Was genau sind Typklassen?

Die Höhe des Kfz-Versicherungsbeitrages hängt von mehreren Faktoren ab. Ein wichtiges Tarifmerkmal ist die sogenannte Typklasse des Fahrzeuges. Die Typklasse ist ein Indexwert, den Versicherer berechnen, indem sie die statistische Schaden- und Unfallbilanz eines bestimmten Fahrzeug-Modells auswerten. Dabei gilt: Je häufiger Fahrer eines bestimmten Automodells einen Schaden melden und je höher die Kosten für den Versicherer ausfallen, desto höher ist auch die Typklasse und damit der Versicherungsbeitrag. Umgekehrt gilt: Je niedriger die Typklasseneinstufung, desto günstiger der Versicherungsbeitrag. Die Typklassen sind jedoch nur ein wichtiges Tarifmerkmal unter mehreren. Darüber hinaus beeinflussen beispielsweise Regionalklassen, der Schadenfreiheitsrabatt, die jährliche Kilometerleistung sowie die Anzahl und das Alter der Fahrer die Höhe der Kfz-Versicherung.

Typklassen sind Risikogruppen

Versicherungsunternehmen nutzen Typklassen, um das Risiko, ein bestimmtes Fahrzeug-Modell zu versichern, besser einschätzen zu können. Je höher das Risiko, desto höher fällt auch der Versicherungsbeitrag aus.

Typklassen gibt es in der Kfz-Haftpflichtversicherung, der Teilkasko- sowie der Vollkaskoversicherung. Da diese jeweils verschiedene Risiken absichern, kennt jede Versicherungsart auch eigene Typklassen. Diese unterscheiden sich in Bezug auf die Einflussfaktoren wie zum Beispiel der Fahrzeugart oder auch der Anzahl an gemeldeten Diebstählen.

Die folgende Grafik verdeutlicht die Einflussfaktoren auf die Typklassen-Einstufung eines Automodells für die Kaskoversicherung und Kfz-Haftpflichtversicherung:

Grafik zu den Einflussfaktoren auf die Typklassen-Einstufung

    Kaskoversicherung:

  • Verkehrsunfälle: Wie viel und wie oft zahlen Versicherer für selbstverursachte Unfälle?

  • Teilentwendungen: Wie häufig wird Zubehör entwendet?

  • Diebstähle: Wird das Automodell oft gestohlen?

  • Autobrände: Wie hoch und häufig sind Schäden in Folge von Bränden?

  • Glasschäden: Mussten Glasschäden oft entschädigt werden?

    Kfz-Haftpflichtversicherung:

  • Verkehrsunfälle: Wie viel und wie häufig mussten Versicherer bei Unfällen mit Dritten entschädigen?

  • Fahrweise: Wie ist die Fahrweise des Nutzers?

  • Fahrzeugart: Kleinwagen, SUV, LKW oder Cabrio?

Die Einflussfaktoren werden für den Zeitraum der letzten drei Jahre betrachtet. Neben der Schadenbilanz eines Fahrzeugtypes spielen außerdem technische Merkmale wie die Motorleistung eine – wenn auch meist untergeordnete – Rolle in der Typklassen-Einstufung. Dabei gilt in der Regel, dass kleinere Fahrzeuge mit weniger Motorleistung in eine günstigere Typklasse eingestuft werden als große Fahrzeuge mit einer entsprechend großen Motorleistung.

Typklassen können sich jedes Jahr ändern

Der GDV berechnet die Typklassen jedes Jahr neu und veröffentlicht die Änderungen meist zum 01. Oktober. Es kann daher sein, dass der Beitrag zum Jahreswechsel steigt bzw. sinkt. Bei laufenden Verträgen kommen die Änderungen in der Regel erst zum 01. Januar des neuen Jahres zum Tragen – für neue Verträge hingegen gelten die Änderungen umgehend.

Wie viele Kfz-Typklassen gibt es?

Auf deutschen Straßen gibt es aktuell rund 27.000 verschiedene Automodelle. Für diese gibt es in der Kfz-Haftpflichtversicherung Typklassen 10 bis 24 (insgesamt 16), die Teilkaskoversicherung kennt die Typklassen 10 bis 33 (insgesamt 25), die Vollkaskoversicherung hingegen 10 bis 33 (insgesamt 24). Dabei gilt: Je höher die Typklassennummer, desto teurer ist die Versicherung des Autos. Jeder Fahrzeugtyp hat somit drei unterschiedliche Typklassen – diese sind voneinander unabhängig.

Diese Autos sind häufig in hohen Typklassen

Junge Frau am Steuer

Der GDV, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, stuft die verschiedenen Automodelle jedes Jahr neu in Typklassen ein. Da sich diese somit regelmäßig ändern können, ist es nicht möglich, pauschal zu beantworten, welche Fahrzeugtypen Versicherer grundsätzlich in hohe bzw. niedrige Kfz-Typklassen einstufen. Es gibt jedoch allgemeine Tendenzen. So sind in den Kaskoversicherungen meist hochwertige Autos teuer, da Reparaturen kostspielig sind und ein erhöhtes Diebstahl-Risiko besteht. Typische – häufig ältere – Fahranfänger-Autos sowie Fahrzeuge mit einer hohen Motorleistung sind auch oftmals höher eingestuft, da diese häufiger in Unfälle involviert sind. Darüber hinaus werden Elektroautos aufgrund der hohen Reparaturkosten meist in eine teure Typklasse eingestuft. Aber prinzipiell gilt: Die Typklasse weicht bei sehr ähnlichen Automodellen teilweise stark voneinander ab. Es ist daher nicht möglich, die Typklasse äußerlich zu erkennen.

So können Autofahrer die Typklasse ermitteln

Die aktuelle Typklasse eines Fahrzeuges können Autofahrer zum Beispiel auf der Website des GDV, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, ermitteln. Dazu sind die sogenannten Schlüsselzahlen von Hersteller und Fahrzeugtyp nötig. Diese stehen auf dem Fahrzeugschein. Kaufinteressenten können mit Angabe des Herstellers, Fahrzeugtypes, der Leistung und dem Hubraum die Typklasse einsehen.

Sonderkündigungsrecht nach Typklassen-Änderung

Autofahrer haben Einfluss auf einige wichtige Tarifmerkmale in der Kfz-Versicherung, wie beispielsweise die Schadenfreiheitsklasse. Anders verhält es sich mit der Typklasse. Kfz-Typklassen können Autofahrer nämlich nicht beeinflussen – auch nicht durch eine besonders verantwortungsvolle Fahrweise. Jedoch gibt es eine gute Nachricht: Versicherte können ihre Kfz-Versicherung kündigen, wenn sich die Typklasse ihres Fahrzeuges ändert. Und das zahlt sich häufig aus. Denn nicht alle Anbieter gewichten den Einfluss der Typklasse auf die Höhe des Kfz-Beitrages gleich. Für manche ist möglicherweise die Anzahl und das Alter der Fahrer oder auch die jährliche Kilometerleistung ausschlaggebender. Wer somit in eine ungünstigere Typklasse gerutscht ist, sollte die Angebote der zahlreichen Anbieter – am besten online – vergleichen und so die passende Kfz-Versicherung finden.

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