Rechtsschutzversicherung im Vergleich: Leistungen und Kosten

Ein Rechtsstreit kann sehr teuer werden. Insbesondere, wenn er über Jahre hinweg nicht geklärt wird und schließlich vor Gericht endet. Anwalts- und Gerichtskosten belaufen sich dann schnell auf mehrere Tausend Euro. Eine gute Rechtsschutzversicherung bewahrt Sie vor diesen Kosten – egal, ob Sie den Rechtsstreit gewinnen oder verlieren. Doch die Tarife bieten oft mehr als die reine Kostenübernahme.

Die Basics: Was ist eine Rechtsschutzversicherung?

Bei der Rechtsschutzversicherung handelt es sich nicht um eine gesetzlich vorgeschriebene Pflichtversicherung, sondern um eine private Zusatzversicherung, die Sie freiwillig abschließen – oder eben nicht. Sie deckt Schadensfälle ab, die im Zusammenhang mit juristischen Auseinandersetzungen stehen.

Tipp: Selbstständige Unternehmer und Freiberufler können sich mit einer Gewerbe-Rechtsschutzversicherung vor den Kosten, die durch gerichtliche Verfahren entstehen, schützen. Der private Rechtsschutz gilt im Gewerbe nämlich nicht.

Dass die Kosten für Anwälte und Gerichtsverfahren ziemlich hoch sind, ist kein Geheimnis. Bereits wenige Stunden Beratung bei einem Fachanwalt können ordentlich ins Geld gehen. Doch wahrscheinlich bleibt Ihnen keine andere Wahl, wenn Sie rechtliche Schwierigkeiten bekommen. Schließlich möchten Sie sich bestmöglich vertreten lassen.

Auf die Rechtsbereiche kommt es an

Grundsätzlich können Sie mit einer Rechtsschutzversicherung verschiedene Rechtsbereiche abdecken. Dafür bieten die Versicherer mehrere Bausteine an, die Sie je nach Bedarf miteinander kombinieren können. Dabei gilt natürlich: Je mehr Gebiete Sie absichern, desto höher ist der monatliche Beitrag für die Rechtsschutzversicherung.

Die wichtigsten Bausteine einer Rechtsschutzversicherung:

  • Privatrechtsschutz: Dieser Grundbaustein ist verpflichtend, wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung abschließen möchten. Privatrecht ist Bestandteil jedes Rechtsschutztarifs.

  • Arbeitsrechtsschutz: Im Beruf kann es schnell zu juristischem Streit kommen. Mit dem Arbeitsrechtsschutz sind Sie in diesem Bereich versichert.

  • Verkehrsrechtsschutz: Auch im Straßenverkehr kann es zu Situationen kommen, die ein juristisches Nachspiel haben. Mit einem passenden Verkehrsrechtsschutz sind Sie auf der sicheren Seite.

  • Wohn- und Mietrechtsschutz: Rund um den Bereich Wohnen kann es immer wieder zu rechtlichen Problemen kommen, z. B. mit dem Vermieter oder der Eigentümergemeinschaft. Ein guter Wohnrechtsschutz versichert sowohl Mieter als auch Personen, die in Ihrem Eigentum wohnen.

  • Vermieterrechtsschutz: Auch als Vermieter können Sie schnell in Situationen geraten, die juristisch gelöst werden müssen. Mit dem passenden Vermieterrechtsschutz kein Problem.

Rechtsschutzversicherung nach Bedarf auswählen

Ist eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll oder nicht? Berücksichtigen Sie bei dieser Überlegung stets, in welchen Bereichen am ehesten rechtliche Probleme entstehen könnten. Wer möchte sich beispielsweise bei einer ungerechtfertigten Kündigung nicht zur Wehr setzen –, ohne sich dabei zu verschulden? Auch zu Streitigkeiten über die Miete oder Mietkaution kann es schneller kommen, als einem lieb ist. Spätestens dann wünschen sich die meisten Mieter einen passenden Rechtsschutz. Einen Vermieterrechtsschutz hingegen braucht nur, wer tatsächlich auch Wohnraum vermietet. Sie sollten sich also fragen, in welchen Bereichen Ihnen Ärger drohen könnte, und dann entscheiden, welche Bausteine Sie benötigen.

Die häufigsten Versicherungsfälle nach Rechtsbereichen

Eine Statistik der Roland Rechtsschutzversicherung gibt weiteren Aufschluss darüber, welche Rechtsbereiche wichtig sind. Laut der Zusammenstellung sind vor allem Vertragsstreitigkeiten und Angelegenheiten im Bereich Arbeitsrecht sehr häufig. Aber auch Miet- und Verkehrsrechtsfälle sowie Schadensersatzforderungen müssen die Versicherer häufig bearbeiten.

Vergleichen Sie Tarife hinsichtlich der Leistungen

Bevor Sie eine Rechtsschutzversicherung abschließen, sollten Sie unbedingt die Leistungen der Versicherer vergleichen. Denn wie bei anderen Versicherungsprodukten unterscheiden sich die Tarife teilweise stark. Neben den Kosten und den Rechtsbereichen sollten Sie vor allem auf die konkreten Leistungen achten, die im Versicherungsfall in Anspruch genommen werden können. Einen komfortablen Überblick über Leistungen und Konditionen verschiedener Versicherer bietet unser Rechtsschutzversicherungs-Vergleich:

So verwenden Sie unseren Rechtsschutz-Vergleich: Wichtige Leistungen im Überblick

Wählen Sie aus, wie hoch die Deckungssumme sein soll. In unserem Rechner sehen Sie, bis zu welcher Summe der Versicherer Rechtsfallkosten übernimmt. Achten Sie auch auf die separate Deckungssumme für internationale Angelegenheiten.

Wählen Sie aus, ob und wieviel Sie im Ernstfall selbst zahlen möchten. Je höher die Selbstbeteiligung, desto geringer der Versicherungsbeitrag.

Viele Versicherer bieten eine Anwaltshotline für Rechtsfragen an. Oft ist diese Leistung kostenlos im Tarif inbegriffen.

Manche Versicherer übernehmen Anwaltskosten nur, wenn Sie einen Partneranwalt des Unternehmens wählen. Bei freier Anwaltswahl haben Sie diesbezüglich keine Einschränkungen.

Bei juristischen Auseinandersetzungen schlagen vor allem Gerichtskosten zu Buche. Achten Sie deshalb darauf, dass diese Kosten übernommen werden.

Ein Rechtsstreit muss nicht vor Gericht enden. Wenn Mediationen übernommen werden, lassen sich Fälle kostenschonend lösen, ohne dass Sie vor Gericht ziehen müssen. Das nützt Ihnen und dem Versicherer.

Nicht versicherte Rechtsbereiche

Sie können zwar über eine Rechtsschutzversicherung viele Gebiete absichern, doch damit erreichen Sie keinen Rundum-Schutz für alle erdenklichen Situationen. Das liegt daran, dass bestimmte Rechtsbereiche von vornherein oft ausgeschlossen sind. So decken die wenigsten Anbieter Angelegenheiten z. B. in den Bereichen Familienrecht oder Kapitalanlagen ab. Auch Urheber- und Baurechtsstreitigkeiten sind selten versichert.

Kein rückwirkender Versicherungsschutz

Möchten Sie einen dieser Bereiche jedoch unbedingt abgesichert wissen, bieten manche Versicherer spezielle Tarife an, die diesen Extraschutz beinhalten – jedoch meist gegen einen Aufpreis. Neben den Rechtsbereichen gibt es auch eine Reihe von Umständen, die durch den Versicherungsvertrag ausgeschlossen sind.

Folgende Leistungen deckt die Rechtsschutzversicherung meist nicht ab:

  • Rechtliche Schwierigkeiten, die bereits vor Versicherungsbeginn bestanden

  • Streitfälle, die noch innerhalb der Wartezeit entstehen

  • Geldstrafen oder verhängte Geldbußen

Ein Versicherer leistet grundsätzlich nur für Rechtsfälle, die zu Vertragsabschluss noch nicht bestanden haben. Denn eine Versicherung schützt Sie ja vor dem Risiko, in der Zukunft in einen Rechtsstreit zu geraten. Es gibt Ausnahmen von diesem Prinzip, aber das ist der Regelfall. Eng damit verknüpft ist die Wartezeit, die die meisten Anbieter ansetzen. So erhalten Sie Rechtsschutz meist erst nach drei bis sechs Monaten. In Einzelfällen, etwa im Familienrecht, können auch Wartezeiten von über einem Jahr anfallen.

Außerdem werden Geldstrafen und -bußen vom Versicherer meist nicht übernommen. Das gilt jedoch nicht für die Verfahrenskosten (etwa für Anwalt und Gericht), die Ihnen entstanden sind, um gegen ein Bußgeld zu klagen. Diese Kosten übernimmt der Versicherer selbstverständlich.

Wichtig: Für vorsätzlich begangene Taten übernehmen Rechtsschutzversicherer die Kosten nicht. Ausschlaggebend ist hier allerdings das Urteil des Gerichts: Wenn dieses feststellt, dass Sie vorsätzlich gehandelt haben, leistet auch Ihr Versicherer nicht. Wird das Verfahren hingegen eingestellt, übernimmt der Versicherer die Kosten.

Keine Wartezeiten bei Wechsel des Anbieters

Wenn Sie Ihre bisherige Rechtsschutzversicherung kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln möchten, brauchen Sie sich keine Gedanken über die Wartezeit machen. Schließt Ihr neuer Vertrag lückenlos an den bisherigen an, springt die neue Rechtsschutzversicherung ohne Wartezeit ein. Das gilt zumindest für alle Rechtsbereiche, die bereits Bestandteil Ihres alten Vertrages waren und die Sie nun abdecken lassen. Für neu hinzugekommene Rechtsbereiche fällt hingegen eine Wartezeit an.

Rechtsschutzversicherung: Leistungen vs. Kosten

Letztendlich sollten Sie bei der Suche nach der passenden Rechtsschutzversicherung vor allem auf Ihre individuellen Bedürfnisse und Anforderungen achten. Wenn Sie zahlreiche Rechtsschutzversicherungen im Vergleich direkt gegenüberstellen, merken Sie schnell, dass ein besonders günstiger Tarif häufig nicht alle gewünschten Bereiche absichert. Gute Leistungen haben ihren Preis. Stattdessen sollten Sie also zuerst darüber nachdenken, welche Bausteine für Ihre persönliche Situation sinnvoll sind. Achten Sie außerdem auf Faktoren wie die Deckungssumme und die Übernahme von außergerichtlichen Verfahren. Ein leistungsstarker Tarif schützt Sie nicht nur finanziell, sondern auch ein Stück weit vor den Strapazen einer langen gerichtlichen Auseinandersetzung.