Autodiebstahl – Was tun, wenn das Fahrzeug geklaut wurde?

In Ihr Auto wurde eingebrochen oder schlimmer noch – das ganze Fahrzeug wurde gestohlen. Zunächst einmal geht es nun darum, einen kühlen Kopf zu bewahren und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Doch was genau ist im Diebstahlsfall zu tun? Wer muss verständigt werden? Und kommt die eigene Versicherung für die Kosten auf?

Das Auto ist weg! Was ist zu tun?

Vergewissern Sie sich zunächst, ob Sie Ihr Auto am vermeintlichen Abstellort überhaupt geparkt haben, denn gerade in vielen Großstädten sehen viele Häuserzeilen ähnlich aus. Befragen Sie außerdem alle Personen, die einen Schlüssel Ihres Autos besitzen. Womöglich ist gerade jemand mit dem Wagen unterwegs. Ist dies nicht der Fall, verständigen Sie die Polizei. Anhand der Fahrzeugpapiere kann die Polizei überprüfen, ob Ihr Auto abgeschleppt wurde. Wurde das Fahrzeug nicht abgeschleppt, müssen Sie vom Ernstfall ausgehen – und folgende Schritte einleiten:

  • Stellen Sie Strafanzeige bei der Polizei.

  • Verständigen Sie die Zulassungsstelle und legen Sie das Kfz still.

  • Melden Sie den Diebstahl Ihrer Kfz-Versicherung.

Bei Autodiebstahl: Versicherung fristgerecht verständigen

Nach dem Diebstahl müssen Sie binnen einer Woche Ihre Kfz-Versicherung informieren, unabhängig davon, ob Sie haftpflicht- oder kaskoversichert sind. Bei geleasten oder finanzierten Fahrzeugen müssen Sie darüber hinaus die Leasing-Gesellschaft beziehungsweise finanzierende Bank verständigen.

Welche Versicherung zahlt?

Wenn Sie lediglich eine Kfz-Haftpflicht besitzen, haben Sie schlechte Karten. Bei Autodiebstahl zahlt die Versicherung nichts an Haftpflichtversicherte. Auch nicht, wenn lediglich ein Einbruch in Ihr Fahrzeug vorliegt. Damit Ihnen Ihr Versicherer den Schaden ersetzt, benötigen Sie mindestens eine Teilkasko-Versicherung. Für die Schadensregulierung braucht die Versicherung folgende Unterlagen als Diebstahl-Nachweis:

Ehrlich währt am längsten!

Nach einem Autodiebstahl bekommen Sie von Ihrer Kfz-Versicherung üblicherweise einen Fragebogen. Diesen sollten Sie selbstverständlich wahrheitsgemäß beantworten. Schwindelleien, etwa bezüglich des Abstellortes, können Sie Ihren Versicherungsschutz kosten!

  • Strafanzeigen-Protokoll

  • Zulassungsbescheinigung

  • Bestätigung der Stilllegung

  • Fahrzeugbrief und entwerteter Fahrzeugschein

  • Kaufrechnung

  • Rechnungen von Reparaturen und verbauten Autoteilen

  • Aktuelle Fotos des Wagens

Zudem verlangt die Versicherung häufig die Herausgabe der Originalschlüssel, um den Verdacht zu entkräften, der Diebstahl könnte nur vorgetäuscht sein. Sollte der Wagen binnen eines Monats wieder auftauchen, müssen Sie Ihn zurücknehmen. Nach Ablauf dieser Frist bezahlt Ihr Versicherer den Wiederbeschaffungswert Ihres Autos, also den Zeitwert des gestohlenen Wagens nach den marktüblichen Preisen. Damit soll der Kauf eines vergleichbaren Pkws ermöglicht werden. Verfügt Ihre Kfz-Versicherung über eine Neuwertentschädigungs-Klausel können Sie sogar darauf hoffen, den vollen Kaufpreis Ihres Wagens zu bekommen, wenn es sich beim gestohlenen Fahrzeug um ein neuwertiges Modell gehandelt hat.

Gestohlene PKW in Deutschland

Grafik zu gestohlenen Pkws in Deutschland

Die Zahl der gestohlenen Autos in Deutschland ist seit der Jahrtausendwende deutlich zurückgegangen. Die Autobauer arbeiteten vermehrt daran, ihre Fahrzeuge diebstahlsicherer zu machen - mit Erfolg, wie diese Grafik zeigt. In den vergangenen Jahren scheint sich die Zahl der Autodiebstahle eingependelt zu haben. Am häufigsten werden in Deutschland übrigens die SUVs und Geländewagen der Marke Range Rover geklaut. Ebenfalls heiß begehrt bei den Dieben sind auch die Modelle der deutschen Premium-Hersteller Audi und BMW.

Wie sieht es bei Einbrüchen aus?

Keine Schlechter-Stellung durch einen Autodiebstahl

Da die Schadenregulierung über die Teilkasko-Versicherung erfolgt, müssen Sie keine Rückstufung der Schadensfreiheitsklasse und damit höhere Versicherungskosten befürchten. Denn Schadenfreiheitsklassen gibt es nur in der Haftpflicht- sowie der Vollkaskoversicherung.

Auch wenn lediglich eingebrochen wurde, empfiehlt sich der Abschluss einer Teilkasko. Diebstahl von festverbautem Inventar – etwa dem integrierten Navigationssystem, Radio oder Reifen – ist in der Teilkasko-Versicherung mit inbegriffen. Durch den Einbruch entstandene Schäden, wie eingeschlagene Fenster oder aufgebrochene Türen, erstattet der Versicherer nur bis zum Wiederbeschaffungswert.

Der Einbruch in Ihr Auto muss aus Sicht der Täter nicht einmal erfolgreich gewesen sein. Denn die Teilkasko übernimmt bereits Schäden durch versuchten Diebstahl. Allerdings ist die Grenze zwischen versuchtem Diebstahl und Vandalismus gerade aus Sicht der Versicherer eine schmale. Bei Schäden durch Vandalismus leistet die Teilkasko nämlich nicht – im Gegensatz zur Vollkasko-Versicherung, die für diese Schäden aufkommt. Gerade Fälle, in denen die Täter versuchen über das Dach in das Auto zu gelangen und dieses dabei beschädigen, sind nicht immer klar als versuchten Einbruch zu deklarieren.

Wenn Ihnen Wertsachen wie Geldbeutel, Sporttasche oder Laptop aus dem Auto geklaut werden, kommt jedoch auch die Kaskoversicherung nicht auf. Diese Dinge werden zum Teil von einer Hausratsversicherung übernommen.

Autodiebstahl: Versicherung zahlt nicht bei grober Fahrlässigkeit

Weist Ihnen Ihre Versicherung grobe Fahrlässigkeit nach, kann Sie Ihnen die Schadensregulierung verweigern. Dies ist der Fall, wenn Sie Ihren Sorgfaltspflichten nicht nachgekommen sind und dies als Ursache für den Diebstahl angesehen wird. Ein Beispiel: Wenn Sie Ihren Fahrzeugschlüssel in den frei zugänglichen Briefkasten Ihrer Autowerkstatt einwerfen, um die Reparatur Ihres Wagens am nächsten Tag zu veranlassen. Wird dieser aufgebrochen und Ihr Auto gestohlen, sind Sie der Leidtragende – ohne Chance auf Erstattung durch Ihre Kfz-Versicherung.

Geklaute Autos in Deutschland nach Bundesland

Grafik zu gestohlenen Pkws in Deutschland nach Bundesländern

Berlin die Autodiebstahl-Hauptstadt

Berlin ist auch in Sachen Kfz-Diebstählen die Bundeshauptstadt. Bereits seit mehreren Jahren hält sich die größte Stadt Deutschlands an der Spitze der wenig ruhmvollen Statistik des Bundeskriminalamtes. 2016 wurden in Berlin 4855 Kfz-Diebstähle gemeldet. Den zweiten Platz der Rangliste nimmt das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen ein. Zum Vergleich: In NRW werden mehr als 50 Mal so viele Autos geklaut als im Saarland, dem laut Statistik sichersten Bundesland. Allerdings leben im Saarland auch nur rund eine Million Menschen - in Nordrhein-Westfalen leben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hingegen knapp 18 Millionen Einwohner.

Warum werden Fahrzeuge geklaut?

Autos werden nicht geklaut, um sie selbst zu fahren. In den häufigsten Fällen werden die geklauten Fahrzeuge ins Ausland überführt und dort mit verschleierter Identität und gefälschten Papieren verkauft beziehungsweise reimportiert – teilweise mit neuer Lackierung. Oftmals landen die Fahrzeuge im osteuropäischen Ausland. Deshalb werden im Osten Deutschlands – allen voran in der Hauptstadt Berlin – besonders viele Diebstähle gemeldet.

Der Handel mit Ersatzteilen ist noch einfacher als geklaute Autos zu verkaufen. Viele Fahrzeuge werden in ihre Einzelteile zerlegt und gesondert an den Mann gebracht. Das hat für den Langfinger den Vorteil, dass die Spur nur schwer zu verfolgen ist. Überhaupt liegt die Quote aufgeklärter Autodiebstähle lediglich bei knapp 30 Prozent. In den seltensten Fällen gelingt es den Täter ausfindig zu machen. In den vergangenen 20 Jahren ging die Autodiebstahlrate jedoch deutlich zurück.

So gehen die Diebe vor

Auto aufbrechen und kurzschließen war gestern. Diese gerade in Hollywood-Filmen sehr beliebte Methode wird mittlerweile kaum noch durchgeführt. Brecheisen oder der Scheckkarten-Trick haben aufgrund der fortgeschrittenen Fahrzeug-Technik ausgedient. Moderne Türschlösser und Wegfahrsperren stellen Autodiebe aber auch nicht vor große Herausforderungen.

Gelingt es den Tätern, an den Fahrzeugschlüssel zu kommen und eine Kopie der darauf enthaltenen Daten zu erstellen, ist die Software des Autos schnell umgangen. Moderne Funkschlüssel sind noch einfacher zu knacken. Die Autodiebe fangen hierbei die Funksignale ab und können mit den gewonnenen Daten einen Ersatzschlüssel herstellen.

Ironischerweise kommt den Tätern entgegen, dass immer mehr Technik in den Fahrzeugen verbaut wird. Autos mit Keyless Go sind mitunter die einfachsten Ziele für Autodiebe. Bei diesem System entriegelt sich das Fahrzeug, sobald der Schlüsselbesitzer in die Nähe des Wagens kommt. Diese schlüssellosen Zugangs- und Startsysteme lassen sich von den Dieben häufig einfach aushebeln. Gerade bei organisierten Autoknacker-Banden wird zudem oftmals das ganze Auto auf einen Hänger verladen und abtransportiert. Das ermöglicht den Dieben später ungestört das Fahrzeug zu entriegeln und wieder startklar zu bekommen.

So können Sie Ihr Auto gegen Diebstahl sichern

Beim Diebstahl eines Fahrzeuges muss es für den Täter schnell gehen. Um es Autodieben extra zu erschweren, gibt es Verschiedenes, das Sie in Ihr Fahrzeug einbauen können:

  • Lenkrad-Kralle: Sie blockiert das Lenkrad und verhindert damit, dass jemand mit dem Auto wegfahren kann. Wird das Fahrzeug bei einem Diebstahl jedoch auf einen Hänger verladen, nutzt die Lenkrad-Kralle wenig.

  • Park-Kralle: Diese Kralle wird an ein oder mehrere Räder angebracht und verhindert , dass das Auto von Fremden bewegt werden kann. Krallen sind für den Fahrzeughalter jedoch eine eher unhandliche Lösung, da sie aufwendig zu montieren sind. Außerdem gilt dasselbe wie bei der Lenkrad-Kralle: Bei einer Verladung auf einen Anhänger, ist die Park-Kralle ebenfalls nutzlos.

  • Ventilwächter: Diese Anfertigung ist mit einem Schloss versehen und wird auf ein Ventil geschraubt. Nach wenigen Metern sorgt der Ventilwächter dafür, dass die Reifen platt sind. Die Technik greift jedoch erst ab 15 km/h. Aber Vorsicht: Auch der Fahrzeugbesitzer hat einen Platten, wenn er vor dem Losfahren das Abmontieren der Ventilwächter vergisst.

  • Alarmanlage: Eine Alarmanlage ist laut und schrill und verschafft dem Dieb unliebsame Aufmerksamkeit, die er bei seinem Vorhaben nicht gebrauchen kann. In vielen neueren Pkws ist eine Alarmanlage serienmäßig eingebaut, allerdings kann diese vom Autodieb auch deaktiviert werden.

  • GPS-Sender: Peilsender mit GPS können den Autodiebstahl zwar nicht verhindern, erleichtern jedoch die Ortung erheblich.

Nahezu alle neuen Autos verfügen heutzutage zudem über eine elektronische Wegfahrsperre. Diese wird über einen Chip im Fahrzeugschlüssel deaktiviert. Mithilfe spezieller Software ist es für die meisten Autodiebe jedoch kein allzu großes Problem, die Wegfahrsperre zu umgehen. Trotz vermeintlich immer sicherer werdender Technik zeigt sich: Als bester Auto-Diebstahlschutz eignet sich eine abgeschlossene Garage immer noch am besten.

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