Checkliste Autokauf – Tipps für den Erwerb eines Gebrauchtwagens

Angefangen bei der Auswahl des passenden Modells, dem Anschaffungspreis und der Höhe der Kfz-Versicherung bis hin zum eigentlichen Kaufabschluss: Beim Gebrauchtwagenkauf gibt es einiges zu beachten. Unsere Autokauf-Checkliste hilft Ihnen dabei, den richtigen Gebrauchten zu finden.

Privatkauf oder vom Händler?

Ob Sie Ihren Gebrauchtwagen bei einem eingetragenen Autohändler oder von einer Privatperson kaufen, spielt eine große Rolle. Denn nicht immer übernimmt der Verkäufer die Kosten für Mängel, die erst nach Abschluss des Kaufvertrages auffallen oder auftreten. Wer wann die Haftung übernimmt, hängt dabei von unterschiedlichen Kriterien ab.

Kauf beim Händler

Beim Verkauf eines Gebrauchtwagens unterliegen Händler der zweijährigen Sachmängelhaftung. Treten innerhalb dieses Zeitraums Probleme am Kfz auf, können Sie diese vom Autohaus nachbessern lassen. Hierbei muss es sich um Mängel handeln, die bereits zum Übergabezeitpunkt des Autos vorhanden waren – altersgerechter Verschleiß zählt nicht dazu. Innerhalb der ersten 6 Monate gilt die Vermutung, der Mangel habe bereits bei der Übergabe bestanden. Nach Ablauf dieser Frist liegt die Beweispflicht beim Käufer.

Gerade bei jungen Gebrauchtwagen bieten Autohändler deshalb häufig eine Garantievereinbarung an. Durch den Abschluss dieser Vereinbarung wird der Zeitpunkt des Auftretens des Mangels unerheblich. Auch nach dem 7. Monat müssen Sie als Käufer nichts nachweisen. Die genauen Leistungen und Laufzeiten der Garantie ergeben sich aus den jeweiligen Garantiebedingungen.

Achtung Verwechslungsgefahr

2 Jahre Sachmängelhaftung sind für Autohändler beim Gebrauchtwagenkauf verpflichtend, Garantievereinbarungen jedoch freiwillig. Achten Sie beim Kauf eines Gebrauchten daher genau darauf, ob und welche Garantie Ihnen Ihr Händler gibt.

Autokauf bei Privatpersonen

Beim Kauf von Privatpersonen gibt es weder die Garantievereinbarung noch die Sachmängelhaftung. Die sicherere Variante bildet daher der Kauf vom Autohändler.

Wenn Sie ein Fahrzeug von privaten Verkäufern erstehen, müssen Sie sich zudem um den Transfer nachhause kümmern. Selbstverständlich braucht das Auto auch für diese Fahrt einen Versicherungsschutz und eine Zulassung. Hierfür gibt es spezielle Überführungskennzeichen, die Sie bei Ihrer Zulassungsstelle beantragen können. Autohäuser hingegen übernehmen diesen Service oftmals.

Die Autokauf-Checkliste: Worauf achten beim Autokauf?

Die Probefahrt bietet Ihnen die beste Gelegenheit, Ihr potenzielles Wunschfahrzeug auf Herz und Nieren zu untersuchen. Nutzen Sie diese Möglichkeit. Hier gilt: Wenn Sie genau hinsehen sind Sie nicht kleinlich, sondern gründlich – und ersparen sich unter Umständen schon vor dem Kauf viel Ärger.

Vor der Probefahrt

Bereits bevor Sie die Probefahrt starten, gibt es einiges zu beachten, um die Fahrtüchtigkeit des Autos zu überprüfen:

Reifen und Felgen Durch erhöhten Bordsteinkontakt entstehen Risse und Schrammen in den Felden.
Diese können zu Beschädigungen des Fahrwerks führen.
Scheinwerfer, Rückleuchten und Windschutzscheibe Weisen diese Spuren von Steinschlag auf? Gerade das Austauschen der Frontscheibe kann schnell mehrere hundert Euro kosten.
Äußeres des Fahrzeugs Ist es in einem makellosen Zustand? Die Karosserie sollte genau unter die Lupe genommen werden, um Rost-, Lack- oder Unfallschäden auszuschließen. Falls das Auto neu lackiert wurde, fragen Sie den Händler nach dem Grund.

Während der Probefahrt

Führen Sie die Probefahrt am besten in Begleitung einer oder mehrerer Vertrauenspersonen durch. Diesen fallen womöglich Dinge auf, die Sie übersehen. Beifahrer können außerdem Auffälligkeiten und weitere Fragen an den Händler notieren.
Generell sollten Sie bei der Probefahrt auf folgende Punkte achten:

Elektronik Die elektrischen Fensterheber, die Klimaanlage, die Sitzheizung oder ein mögliches Schiebedach sollten beanstandungslos ihren Dienst verrichten.
Stauraum Vergewissern Sie sich, dass sich alle Staumöglichkeiten sowie das Handschuhfach problemlos öffnen lassen.
Kontrolllampen Leuchten diese alle auf, wenn Sie den Motor starten?
Fahrverhalten Wie verhält sich das Auto beim Lenken in Kurven und beim Geradeausfahren? Zieht das Auto nach links oder rechts, obwohl Sie das Lenkrad gerade halten, ist die Spur womöglich verzogen.
Geräusche Macht das Auto ungewöhnliche Geräusche? Stellen Sie hierfür am besten das Radio stumm, nachdem Sie sich von dessen Funktionsweise überzeugt haben. Fahren Sie auch auf schlechteren Straßen und mit langsamerem Tempo, so können Sie Klapper- und Brummgeräusche besser wahrnehmen.
Sitzkomfort Gibt es genügend Beinfreiheit und lassen Sie sich die Sitze gut verstellen? Holen Sie sich hierzu am besten auch die Meinung Ihrer Mitfahrer ein.
Felgentemperatur Werden die Felgen heiß? Überprüfen Sie dies nach Beendigung der Fahrt. Eine erhöhte Felgentemperatur deutet auf eine schwergängige Bremsmechanik hin.

Interieur und Kofferraum überprüfen

Eine vollumfassende Begutachtung des Gebrauchtwagens benötigt all Ihre Sinnesorgane. Denn neben Ohren und Augen ist hierbei auch Ihre Nase gefragt. Muffiger Geruch kann ebenso auf Undichtigkeiten der Karosserie hindeuten wie feuchte Bodenbeläge oder Roststellen. Auch die Sicherheitsgurte sollten sich in einem einwandfreien Zustand befinden. Eingerissene oder ausgefranste Gurte müssen erneuert werden.

Außerdem sollten Sie auf den Zustand des Fahrersitzes achten. Wirkt dieser durchgesessen, weist anderweitige Gebrauchtspuren auf oder wackelt in seiner Führung, kann dies Aufschluss auf die Laufleistung des Fahrzeuges geben. Dies ist zwar auch bei Autos, die laut Tacho weniger als 100.000 Kilometer gefahren sind, möglich. Klar sichtbarerer Verschleiß an Sitzen oder Lack kann jedoch auf mögliche Tachomanipulationen hindeuten.

Inspektion des Motorenraums

Auch Autohäusern sollten Sie beim Gebrauchtwagenkauf kein blindes Vertrauen entgegenbringen. Dennoch sollten Sie bei Händlern davon ausgehen, dass die Fahrzeuge stets ordnungsgemäß gewartet und gepflegt wurden – anderenfalls würde der gute Ruf des Händlers schnell leiden. Beim Privatwagenkauf haben Sie hingegen weniger Sicherheiten und sollten das Auto vor dem Kauf besonders im Motorraum möglichst genau untersuchen:

Glanz im Motorraum Eine Motorwäsche beziehungsweise Wachsschicht im Motorraum hinterlässt und der dadurch entstehende Glanz im Motorenraum kann Leckstellen verheimlichen. Eine genaue Beurteilung ist dann nicht mehr möglich. Dasselbe gilt bei Spuren von Lackspray im Motorraum.
Rostflecken Vergewissern Sie sich, dass keine Rostflecken zu finden sind. Gerade an den Seitenwänden im Übergang zu den Kotflügeln sollte genau hingesehen werden. Wenn es hier rostet, wird die Instandsetzung meist sehr aufwendig.
Ölstand Überprüfen Sie den Ölstand. Graue Verfärbungen am Messstab sind ein klarer Hinweis auf Wasser im Motorenöl. Außerdem sollte darauf geachtet werden, ob Ölverlust erkennbar ist.
Brems- und Kühlflüssigkeit Brems- und Kühlflüssigkeitsbehälter sollten korrekt befüllt sein. Ein größerer Verbrauch in den Behältern wird häufig durch Undichtigkeiten oder Bremsbelagsverschleiß hervorgerufen.
Gummieinrisse Beschädigungen am Gummi werden nicht selten von Mardern verursacht. Auch hier kann eine Reparatur durch hohe Arbeitszeitkosten schnell eine teure Angelegenheit.

Gebrauchtwagenkauf-Tipps: So kommen Sie an günstige Angebote

Der Handel mit Tageszulassungen, Jahreswägen oder jungen Gebrauchten – also Autos ab einem Alter von 15 Monaten – hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Vertragshändler sind zumeist dazu verpflichtet, bestimmte Auto-Stückzahlen zu verkaufen. Ohne die Nutzung von Tageszulassungen können viele Händler diese Zulassungsziele kaum erreichen. Die Fahrzeuge werden hierbei für ein paar Tage zugelassen und im Anschluss wieder abgemeldet. So wird aus einem Neuwagen de facto ein Gebrauchter. Das Auto bleibt jedoch neuwertig.

Als Käufer können Sie bei Tageszulassungen so von hohem Preisnachlass profitieren. Die Autos sind im Prinzip noch Neuwägen, dennoch sind Rabatte von mehr als 25 Prozent im Vergleich zum Neupreis keine Seltenheit. Sie stehen bei Tageszulassungen zwar nicht als Erstbesitzer im Fahrzeugbrief, dies wirkt sich normalerweise jedoch nicht negativ auf einen späteren Wiederverkauf aus. Außerdem sollten Sie Tageszulassungen nur kaufen, wenn Ihnen mindestens 20 Prozent Nachlass zum Neupreis gewährt wird.

Große Preisnachlässe bei ehemaligen Leasingfahrzeugen

Nicht nur der Markt für Tageszulassungen ist mittlerweile groß. Zahlreiche ehemalige Leasing-Fahrzeuge stehen zum Verkauf, die entweder eine bestimmte Zeit oder Kilometerzahl gefahren wurden und nun von den Autohändlern angeboten werden. Als Rückläufer werden Fahrzeuge bezeichnet, die vom Leasingsnehmer an den Leasinggeber zurückgegeben werden. Hierbei wird unterschieden, ob es sich um ehemalige Firmenwägen oder um Leihwagen aus Mietwagenflotten handelt. Rückläufer haben den Vorteil, dass sie in Markenwerkstätten gewartet werden und nach Ablauf der Vertragslaufzeit vom TÜV oder der DEKRA überprüft wurden. Sie sollten darauf achten, dass der Nachweis aller Inspektionen durch den Verkäufer gewährleistet ist. Dies wird häufig als scheckheftgepflegt bezeichnet. Bevorstehende Services können Sie gerne bei der Preisverhandlung mit einbeziehen.

Häufig handelt es sich bei ehemaligen Leasing-Fahrzeugen um Mittel- und Oberklassemodelle deutscher Premiumhersteller – wie Audi, BMW oder Mercedes Benz. Die Neupreise für diese Fahrzeuge sind mit durchschnittlichen Einkommen häufig nicht erschwinglich. Sie sollten darauf achten, dass die Rückläufer bestenfalls nur einen Vorbesitzer hatten und die vertragliche Leasingzeit möglichst kurz war. Ein wirkliches Schnäppchen wird der Kauf eines Rückläufers jedoch nur, wenn das Auto neben eines jungen Baujahres auch einen möglichst niedrigen Kilometerstand aufweist.

Firmenwägen werden nämlich gerne von Außenmitarbeitern benutzt, wodurch in kürzester Zeit etliche Kilometer auf die Autos gefahren werden. Die Fahrzeuge werden zudem häufig von mehreren Personen genutzt – und nicht immer pfleglich behandelt. Bei ehemaligen Mietwägen fällt dies teilweise noch deutlicher aus. Nicht immer werden bei der Rückgabe an die Mietwagenfirmen auch alle Mängel protokolliert. Dadurch haben ehemalige Mietautos häufig bereits deutliche Gebrauchsspuren, selbst wenn sie noch nicht alt sind. Dass ein Unfall vertuscht wurde, kann Ihnen jedoch unabhängig davon bei allen Gebrauchtwägen passieren.

Kompromisse eingehen

Generell sollten Sie beim Kauf eines Gebrauchten Abstriche hinsichtlich der eigenen Vorstellungen machen und sich fragen, ob Sie wirklich jedes gewünschte Extra benötigen. Einen Neuwagen können Sie nach Ihren eigenen Vorstellungen konfigurieren und bekommen diesen frisch vom Band – das kostet allerdings auch entsprechend.

Bei Gebrauchtwägen sollten Sie jedoch auf Faktoren, wie ein geringer Kilometerstand, neuwertige Reifen und eine unbeschadete Karosserie mehr Wert legen als auf elektrische Fensterheber, ein hochwertiges Soundsystem oder ein Panorama-Glasschiebedach.

Vor dem Kauf: Setzen Sie sich klare Ziele

Bevor Sie sich auf einen Gebrauchtwagen festlegen, sollten Sie überlegen, welchem Zweck das Auto dienen soll. Planen Sie langfristig mit dem Wagen, empfehlen sich neuwertigere Tageszulassungen oder Jahreswägen. Beabsichtigen Sie das Auto lediglich für kurze Zeit zu fahren, lohnt sich unter Umständen auch ein älteres Modell. Vor dem Kauf eines alten Gebrauchten sollten Sie allerdings eine genauere Inspektion durchführen. Falls Sie in Ihrem Bekanntenkreis Kfz-Fachleute haben, nehmen Sie diese gerne zur Probefahrt mit. Je älter der Gebrauchtwagen, desto mehr Expertise ist bei der Autobesichtigung gefragt. Besonders bei der späteren Preisverhandlung hilft es zudem, wenn Sie vorher auf verschiedenen Autobörsen Preise für ähnliche Fahrzeuge verglichen haben.

Kfz-Versicherung mit einkalkulieren!

Definieren Sie Ihr maximales Budget für den Kauf und kalkulieren Sie dabei die späteren Unterhaltskosten mit ein. Der Anschaffungspreis ist schließlich nur ein einmaliger Kostenpunkt. Einen langfristigen finanziellen Faktor bilden hingegen Kfz-Versicherung und -Steuer. Bei sehr alten Modellen reicht aufgrund des niedrigeren Gesamtwertes häufig eine Kfz-Haftpflichtversicherung aus. Anders bei jungen Gebrauchten: Hier sollten Sie aufgrund des höheren Restwertes über den Abschluss einer Teil- oder Vollkaskoversicherung nachdenken.

Das Abschließen des Kaufvertrags

Das Herzstück eines jeden Autokaufs bildet die Probefahrt. Hier hilft Ihnen die Autokauf-Checkliste, Mängel zu erkennen. Fallen Ihnen diese auf, sollten Sie den Verkäufer damit konfrontieren und sie in die Preisverhandlungen einfließen lassen. Verliefen die Preisverhandlungen zufriedenstellend, steht der Unterzeichnung des Kaufvertrages nichts mehr im Wege. Diesen sollten Sie genau prüfen. Nachdem Sie den Zahlungsnachweis erbracht haben, erhalten Sie vom Verkäufer die nötigen Fahrzeugpapiere sowie die Schlüssel des Wagens. Der Autokauf ist damit erfolgreich abgeschlossen. Bevor Sie das Fahrzeug jedoch nachhause bringen, müssen Sie den Wagen bei der Zulassungsstelle anmelden – mit etwas Glück erhalten Sie sogar Ihr Wunschkennzeichen.

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