Anwartschaftsversicherung: Tarifkonditionen für später sichern

Anwartschaftsversicherung: Wenn der Tarif ruht

Als Krankenversicherter können Sie in Situationen geraten, in denen Sie für einen bestimmten Zeitraum Ihren Tarif bei einer privaten oder gesetzlichen Krankenversicherung ruhen lassen müssen. Wenn Sie zu Beginn dieser Phase schon wissen, dass Sie danach wieder den Tarif bei Ihrer angestammten Krankenkasse oder Versicherung aufnehmen möchten, können Sie für diesen Zeitraum eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Mit dieser können Sie sich die Konditionen Ihres aktuellen Tarifs für eine spätere Rückkehr sichern.

Was ist eine Anwartschaft?

PKV und GKV

Anwartschaften sind vor allem für private Versicherungstarife relevant. Sie können aber auch in der GKV abgeschlossen werden. Das kann vor allem bei längeren Auslandsaufenthalten sinnvoll sein. Nämlich dann, wenn Sie sich in Ihrem Gastland krankenversichern müssen. Eine Anwartschaft ermöglicht dann die sichere Rückkehr zu Ihrer früheren Krankenkasse.

Grundlegend bezeichnet die Anwartschaft einen Zeitraum, in dem der Versicherte nicht über seine angestammte Krankenkasse versichert ist. Damit die Konditionen der Stammversicherung auch noch nach diesem Zeitraum gelten, kann eine Anwartschaftsversicherung abgeschlossen werden. Wenn Sie also zum Beispiel für eine gewisse Zeit die private Krankenversicherung (PKV) verlassen müssen – etwa weil Sie unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze rutschen –, können Sie eine solche Versicherung abschließen. Sobald Sie wieder die notwendigen Voraussetzungen für eine private Krankenversicherung erfüllen, steht dann der alte Tarif zur Verfügung.

Allerdings ist die Anwartschaft – gesetzliche Krankenversicherung und private funktionieren hier gleich – kein Ersatz der Krankenversicherung. Sie bietet keinen Krankenversicherungsschutz, sondern ist lediglich die Versicherung, dass zu einem späteren Zeitpunkt der Vertrag unverändert wieder aufgenommen werden kann. Die Krankenversicherung ruht während dieser Zeit, daher wird die Anwartschaft auch Ruhensversicherung genannt. Auf jeden Fall müssen Sie also separat eine andere Krankenversicherung abschließen. Sie sollten daher die Kosten im Auge behalten. Die Höhe des Anwartschaftsbeitrags bemisst sich am regulären Versicherungstarif, angefangen bei niedrigen Sätzen im einstelligen Bereich bis hin zu Beitragssätzen von 25 Prozent des regulären Versicherungstarifs bei großen Anwartschaften. Der Folgetarif bei Wiedereintritt sollte also ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, damit die Rechnung auch aufgeht. Insbesondere wenn Sie Ihre Altersrückstellungen nicht verlieren möchten, können Sie auf diese Weise auf lange Sicht sparen.

Anwartschaft: Private Krankenversicherung pausieren

Wenn Sie rechtzeitig eine solche Versicherung abschließen, sichern Sie sich die Konditionen Ihres Tarifs für den Zeitraum nach der Anwartschaft. Versicherte umgehen zum Beispiel mit der Anwartschaft Wartezeiten für bestimmte Leistungen, die ansonsten beim Wiedereintritt in die PKV anfallen könnten. Mit einer Anwartschaftsversicherung greift der volle tarifliche Versicherungsschutz bereits vom ersten Tag des Wiedereintritts an.

Außerdem verlangt die private Krankenversicherung so keinen erneuten Gesundheitscheck bei der Wiederaufnahme des Vertrags. Da ein Gesundheitscheck immer das Risiko birgt, im Tarif hochgestuft zu werden, wenn schwerwiegendere Vorerkrankungen vorliegen, hilft die Anwartschaft in diesem Fall dem Versicherten. Krankheiten und Verletzungen, die Sie sich vielleicht in der Zeit der Anwartschaft zugezogen haben, spielen so aus tariflicher Sicht keine Rolle. Es zählt weiterhin der gesundheitliche Status, der bei Ihrem erstmaligen Eintritt in die PKV festgestellt wurde.

Ähnlich verhält es sich mit dem Alter des Versicherten: Mit einer Anwartschaft wird bei Wiedereintritt nicht Ihr aktuelles Alter zugrundegelegt – was einen höheren Tarif zur Folge hätte –, sondern weiterhin das Alter, zu dem Ihr Versicherungstarif das erste Mal berechnet wurde. Auch das senkt auf lange Sicht die Kosten, ist allerdings nur mit einer großen Anwartschaft möglich, die Alterungsrückstellungen bildet.

So gelingt der Wechsel hin und zurück

Wenn Sie vorübergehend versicherungspflichtig werden, sollten sich zuerst auf die Suche nach einer passenden Krankenkasse der GKV machen. Haben Sie eine neue gefunden, können Sie den Vertrag bei Ihrer privaten Krankenversicherung in eine Anwartschaftsversicherung ändern. Hierzu können Sie sich auf den Webseiten der Versicherer Angebote anfordern oder einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren. In der Regel muss ein Nachweis über die sich anschließende neue Krankenversicherung erbracht werden.

Sobald die Bedingungen dafür erfüllt sind, den ursprünglichen Tarif wieder aufzunehmen – also wenn z.B. die Rückkehr aus dem Ausland ansteht oder Ihr Einkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze wieder überschreitet – sollten Sie den Versicherer kontaktieren, damit die Anwartschaft zum Volltarif geändert werden kann.

In diesen Situationen ist eine Anwartschaft sinnvoll

Anwartschaft gesetzliche Krankenversicherung

Trotz gesetzlicher Versicherungspflicht kann es vorkommen, dass sich für aus dem Ausland zurückkehrende Bundesbürger keine der Krankenkassen zuständig fühlt. Auch langfristige Erkrankungen, die während des Auslandsaufenthaltes entstanden sind und bei Rückkehr immer noch behandelt werden müssen, können zu einem Streitpunkt zwischen Versichertem und Versicherung werden. Mit einer Anwartschaft der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kann auch diesen Problemen vorgebeugt werden.

Eine Anwartschaft ist nur in bestimmten Situationen sinnvoll. Dabei spielt es auch eine Rolle, ob Sie privat oder gesetzlich krankenversichert sind. Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen brauchen sich nur in wenigen Situationen mit der Anwartschaft auseinandersetzen. Sind Sie hingegen privat krankenversichert, werden Sie sich wahrscheinlich häufiger mal die Frage stellen, ob eine Anwartschaftsversicherung in einer bestimmten Situation sinnvoll ist.

Anwartschaft bei Einkommenseinbußen

Arbeitnehmer mit einem hohen Einkommen können sich privat krankenversichern. Auschlaggebend hierfür ist die Jahresarbeitsentgeltgrenze. Diese liegt 2019 bei 60.750 Euro Bruttojahreseinkommen. Wer mehr verdient, ist von der gesetzlichen Versicherungspflicht ausgenommen und kann zu einer privaten Krankenversicherung wechseln. Sollten sie dann für einen bestimmten Zeitraum Einkommenseinbußen haben – etwa durch eine vorübergehende Verminderung ihrer Wochenarbeitszeit –, müssen sich Arbeitnehmer wieder bei einer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichern. Wenn Sie in einer solchen Situation planen, später wieder zur PKV zurückzukehren, können Sie für den Zeitraum dazwischen eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Das Gleiche gilt für eine vorübergehende Phase der Arbeitslosigkeit.

Anwartschaft: Krankenversicherung für Studenten

Studenten, die mit Beendigung des Studiums in den Beruf einsteigen, verdienen in den meisten Fällen für einen längeren Zeitraum ein Einkommen, das unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt. Wer während des Studiums privat versichert war, muss nun wieder in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln. Auch hier kann eine Anwartschaftsversicherung abgeschlossen werden, die den Zeitraum zwischen dem Studium und einer Anstellung mit höherem Einkommen überbrückt.

Im Ausland: Anwartschaft auch für gesetzlich Krankenversicherte sinnvoll

Abbildung eines deutschen Reisepasses

Während die beiden oben beschriebenen Fälle nur für privat Versicherte relevant sind, gibt es auch Situationen, die sowohl privat als auch gesetzlich Versicherte bedenken sollten. Dazu gehört zum Beispiel der Auslandsaufenthalt. Arbeitnehmer, die für längere Zeit ins Ausland gehen und bei einem Arbeitgeber im Gastland angestellt sind, sind zumeist über diesen krankenversichert. Die private oder auch gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland ist in einem solchen Fall nicht mehr zuständig. Wer weiß, dass er nach einem Auslandsaufenthalt nach Deutschland zurückkehrt, kann für diesen Zeitraum eine Anwartschaftsversicherung abschließen. In diesem Fall sollten sich nicht nur privat Krankenversicherte mit der Anwartschaft auseinandersetzen, sondern auch Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen. In beiden Fällen genießen Versicherte im Gastland den Versicherungsschutz über den neuen Arbeitgeber, während ihnen die Anwartschaft die Rückkehr in die ursprüngliche Krankenversicherung sichert.

Wichtig: Eine Ausnahme besteht, wenn Sie von Ihrem Arbeitgeber mit Sitz in Deutschland befristet ins Ausland entsendet werden. Dann greift weiterhin die deutsche Krankenversicherung. Doch Vorsicht: Arbeitgeber müssen mit der Sozialversicherung eine Ausnahmevereinbarung treffen, wenn der Arbeitnehmer länger als 24 Monate entsendet wird.

Kleine und große Anwartschaft

Entscheiden Sie sich für eine Anwartschaftsversicherung, haben Sie in der PKV die Wahl zwischen einer kleinen und einer großen Anwartschaft. Das bloße "Einfrieren" des Gesundheitszustands und des Tarifs wird bereits über die kleine Anwartschaft erreicht. Im Gegensatz dazu bietet die große Anwartschaft weitere Leistungen. So bleiben mit ihr zum Beispiel die bereits angesparten Altersrückstellungen erhalten, mit denen die höheren Gesundheitskosten im Alter finanziert werden.

Der kleinen Anwartschaft fehlen die Alterungsrückstellungen, da sie prinzipiell auch nur für die Überbrückung kurzer Zeiträume gedacht ist. Dementsprechend ist die kleine Anwartschaft auch günstiger. Wer seinen Versicherungsvertrag länger pausiert, vielleicht sogar für mehrere Jahrzehnte, kann die große Anwartschaft in Anspruch nehmen. Für die umfangreicheren Leistungen der großen Anwartschaft zahlen Versicherte einen entsprechend höheren Beitrag. Die Konditionen im Überblick:

Kleine Anwartschaft

  • Geringere Monatsbeiträge

  • Für kurze Zeiträume optimal

  • Friert Gesundheitsstatus des Versicherten ein

  • Keine Alterungsrückstellungen

  • Kein Gesundheitscheck bei Wiedereintritt

Große Anwartschaft

  • Höhere Monatsbeiträge

  • Für längere Zeiträume optimal

  • Friert Gesundheitsstatus und Alter des Versicherten ein

  • Mit Alterungsrückstellungen

  • Kein Gesundheitscheck bei Wiedereintritt

Anwartschaft: Krankenversicherung und Tarif vergleichen

Wenn Sie eine Anwartschaftsversicherung abschließen, möchten Sie bei Ihrer angestammten Krankenversicherung verbleiben. Deshalb schließen Sie diese Versicherung ja ab. Doch privat Versicherte sollten sich, bevor die Anwartschaft beginnt, mit den verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen auseinandersetzen und die Konditionen und Leistungen vergleichen. Denn zumindest vorübergehend sind Sie ja dann Mitglied einer Krankenkasse. Wer hier einen geeigneten Tarif wählt, erhält auch während der Anwartschaft die passenden Gesundheitsleistungen.

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