Krankenversicherung Rentner: Privat-, freiwillig oder pflichtversichert?

Krankenversicherung für Rentner

Trotz Ausscheiden aus dem Arbeitsleben erlischt nicht die Pflicht zur Krankenversicherung, die seit dem Jahr 2009 für alle Bürgerinnen und Bürger in Deutschland besteht. Welche Optionen Rentnern genau zur Verfügung stehen, hängt dabei von verschiedenen Kriterien ab. So sind Ruheständler entweder in der Krankenversicherung der Rentner familien-, pflicht- bzw. freiwillig versichert oder Mitglied einer privaten Krankenversicherung.

Was ist die Krankenversicherung der Rentner (KVdR)?

Obwohl der Name anderes vermuten lässt, handelt es sich bei der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) nicht um eine spezifische Krankenkasse für Rentner. Vielmehr versteht man darunter einen Status, denn innerhalb der Krankenversicherung der Rentner versicherte Ruheständler sind bei einer gesetzlichen Krankenversicherung pflicht- oder freiwillig versichert.

Eine Krankenversicherung der Rentner ist auch bei Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), Betriebskrankenkassen (BKK), Innungskrankenkassen (IKK) sowie Ersatzkrankenkassen und der Knappschaft möglich. Diese nehmen zudem bei Beantragung der Rente die Prüfung vor, ob die jeweilige Person die benötigte Vorversicherungszeit erfüllt hat.

Krankenversicherung: Rentner müssen Voraussetzungen für Pflichtversicherung erfüllen

Die erste Voraussetzung, um als Rentner in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert zu sein, ist der Antrag bzw. Erhalt einer gesetzlichen Rente. Um welche Art Rente es sich dabei genau handelt, ist nicht entscheidend. Die zweite Voraussetzung zur Pflichtversicherung ist, dass der Rentner bereits einen gewissen Zeitraum – der als Vorversicherungszeit bezeichnet wird – bei einer gesetzlichen Krankenversicherung Mitglied war.

Entscheidend für die Erfüllung der Vorversicherungszeit ist die Versicherungssituation der entsprechenden Person zwischen der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit und der Beantragung der Rente. Denn in der zweiten Hälfte dieses Zeitraums muss der Rentenantragsteller mindestens 90 Prozent der Zeit innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung pflicht-, familien- oder freiwillig versichert gewesen sein.

Krankenversicherung Rentner: Vorversicherungszeit nicht erfüllt

Erfüllt eine Person, die bisher über eine gesetzliche Krankenversicherung abgesichert war, nicht die Vorversicherungszeit, kann die Versicherung als freiwillige Mitgliedschaft weitergeführt werden. Allerdings nur wenn kein anderer Grund für eine Pflichtversicherung besteht. Dies wäre beispielsweise dann der Fall, wenn eine Beschäftigung ausgeübt wird.

Erfüllt die Person weder die Vorversicherungszeit und war zudem vor dem Beantragen der Rente nicht in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert, muss diese sich selbst um eine Krankenversicherung bemühen, z.B. durch eine Mitgliedschaft in einer privaten Krankenversicherung. Eine freiwillige Mitgliedschaft bei einer gesetzlichen Krankenkasse ist in diesem Fall nur unter bestimmten Rahmenbedingungen möglich.

Wer ein geringes Gesamteinkommen besitzt, kann auch eine beitragsfreie Familienversicherung abschließen. Dabei darf der festgelegte Grenzbetrag von 405 Euro bzw. 450 Euro bei einer geringfügigen Beschäftigung nicht überschritten werden. Zu diesem Grenzbetrag des Gesamteinkommens gehört auch die erhaltene Rente, wobei der Rentenanteil für Kindererziehungszeiten unberücksichtigt bleibt. Doch kann man nicht auf einen Teil der eigenen Rente verzichten, um sich über eine Familienversicherung beitragsfrei abzusichern.

Nicht bei der Kranken- versicherung der Rentner pflichtversichert:

  • Beamte

  • Personen, die eine Pension beziehen

  • Personen, die hauptberuflich selbstständig erwerbstätig sind

  • Versicherungsfreie Personen, z.B. Berufssoldaten, Geistliche oder Richter

  • Erwerbstätige, die durch das Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung krankenversicherungsfrei sind

Krankenversicherung: Rentner können sich von Versicherungspflicht befreien lassen

Sind die Voraussetzungen für eine Pflichtversicherung innerhalb einer Krankenversicherung der Rentner gegeben, haben die betreffenden Personen trotzdem die Möglichkeit, sich von dieser Versicherungspflicht befreien zu lassen. Dafür muss bei der zuständigen Krankenkasse jedoch nachgewiesen werden, dass die entsprechende Person im Krankheitsfall anderweitig, z.B. über eine private Krankenversicherung, geschützt ist. Auch muss die Frist zur Beantragung der Freistellung beachtet werden. Denn der Befreiungsantrag muss innerhalb von 3 Monaten nach der Rentenantragstellung bzw. nach dem Start der Versicherungspflicht bei der jeweiligen Krankenkasse gestellt werden.

Vor Beantragung einer Befreiung sollte beachtet werden, dass diese für die Gesamtdauer des Rentenbezugs gilt und ein Widerruf in der Regel nicht möglich ist. Auch wenn der Rentner erneut eine Beschäftigung aufnimmt, ist die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung meist nicht möglich, weder als freiwilliges, familien- oder pflichtversichertes Mitglied. Aus diesem Grund ist es deshalb dringend zu empfehlen, sich vorab umfassenden zu diesem Thema beraten zu lassen. Auch wer einen Teil seiner Rente im Ausland verbringt, kann unter Umständen Schwierigkeiten bei der Rückkehr nach Deutschland und in die gesetzliche Krankenkasse haben. Die deutsche Rentenversicherung empfiehlt vor der Auswanderung umfassende Beratung.

Krankenkassenbeitrag für Rentner

Seit März 2015 beträgt der allgemeine Beitragssatz zur Krankenversicherung 14,6 Prozent. Dieser wird je zur Hälfte vom Rentenversicherungsträger sowie vom Rentner selbst getragen. Ergänzend können Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben, den die jeweilige Krankenkasse festgelegt. Dieser Zusatzbeitrag geht ebenfalls von der Rente ab. Wie hoch dieser ausfällt, hängt von der jeweiligen Krankenkasse ab. Somit behält der Rentenversicherungsträger den Anteil am Krankenversicherungsbeitrag sowie den Zusatzbeitrag der Krankenkasse ein und leitet dies gemeinsam mit seinem Anteil an die zuständige Stelle weiter.

Was also bei Rentnern, die pflichtversichert sind, variiert, ist der zusätzliche Krankenkassenbeitrag. Rentner zahlen somit die Hälfte des allgemeinen Krankenversicherungssatzes sowie den jeweils erhobenen Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse. Welche Einkünfte zudem beitragspflichtig sind, hängt in erster Linie von der Krankenversicherungsvariante ab.

Rentner: Krankenversicherung auch bei anderen Einkünften relevant

Besteht für den Rentner Versicherungspflicht innerhalb der Krankenversicherung der Rentner, sind neben der Rente auch bestimmte Versorgungsbezüge und Arbeitseinkommen beitragspflichtig. Allerdings erst, wenn im Kalenderjahr 2018 ein Mindestbetrag von 152,25 Euro überschritten wird. Betroffen ist davon:

  • Betriebsrente aus der betrieblichen Altersvorsorge (bAV)

  • Renten aus der Zusatzversorgung für Angestellte und Arbeit des öffentlichen Dienstes (VBL)

  • Renten und Versorgungsbezüge berufsständischer Versorgungswerke, z.B. für Apotheker oder Anwälte

  • Renten aus der Alterssicherung der Landwirte

  • Witwen- oder Waisengeld an die Hinterbliebenen von Beamten

Wichtig bei mehreren Renten

Erhält eine Person mehrere Renten der gesetzlichen Rentenversicherung, z.B. ergänzend eine Witwenrente, müssen Beiträge zur Krankenversicherung auch aus diesen Renten entrichtet werden.

Als Rentner müssen die anfallenden Beiträge zur Krankenversicherung aus selbstständigem Arbeitseinkommen und Versorgungsbezügen allein in voller Höhe getragen werden. Auch hier gilt der allgemeine Krankenversicherungssatz von 14,6 Prozent zuzüglich des Zusatzbeitrags der jeweiligen Krankenkasse.

Krankenversicherung: Rentner sind freiwillig versichert

Ist ein Rentner freiwillig bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, werden alle Einkünfte beitragspflichtig. Dies betrifft nicht nur die Rente der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch Arbeitseinkommen, Versorgungsbezüge, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalerträge, private Lebensversicherungen sowie seit Juli 2015 auch ausländische Renten. Wie hoch der jeweilige Beitragssatz ausfällt, hängt dabei in erster Linie von der Art der beitragspflichtigen Einnahme ab.

Grundsätzlich tragen Rentner die Hälfte des allgmeinen Beitragssatzes sowie den individuell von der jeweiligen Krankenkasse erhobenen Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung. Der erhobene Beitrag ist jedoch begrenzt. So müssen Rentner Beiträge maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze zahlen. Diese liegt im Jahr 2019 bei 4.537,50 Euro pro Monat. Bei einem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent und einem veranschlagten durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von 0,9 Prozent kommt damit ein Maximalbeitrag von 703,31 Euro zustande. Zudem sollte man sich in einem solchen Fall bei Rentenantragstellung über einen möglichen Zuschuss informieren.

Krankenversicherung: Rentner sind privat krankenversichert

Ist ein Rentner privat krankenversichert, muss er sich in der Regel selbst um die Begleichung der Beiträge beim entsprechenden Versicherungsunternehmen kümmern. Die Höhe der Beiträge ist dabei einkommensunabhängig und orientiert sich am Gesundheitszustand bzw. den gesundheitlichen Risiken der versicherten Person. Auch hier gibt es unter Umständen die Möglichkeit, einen Zuschuss vom Rentenversicherungsträger zu erhalten. Hierzu muss das Krankenversicherungsunternehmen jedoch der deutschen Aufsicht bzw. der Aufsicht eines anderen Staates, indem das Europarecht gilt, unterliegen. Über weitere Rahmenbedingungen sollte man sich vorab genau informieren.

Krankenversicherung: Rentner und Pflegeversicherung

Rentner beim Arzt

Ist ein Rentner krankenversicherungspflichtig, besteht ebenfalls eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Pflegeversicherung. So müssen aus der Rente nicht nur Beiträge für die Krankenkasse, sondern auch für die Pflegeversicherung geleistet werden, damit die Kassen auch im Pflegefall Leistungen entsprechend der Pflegegrade zahlen. Diese werden ebenfalls vom Rentenversicherungsträger einbehalten und an die Pflegeversicherung weitergeführt. Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung beträgt 2019 3,05 Prozent und muss vom Rentner allein beglichen werden. Ist die entsprechende Person kinderlos, kommt noch ein Beitragszuschlag von 0,25 Prozent hinzu.

Krankenversicherung für Rentner: Pflegeversicherung bei freiwillig Versicherten

Auch als freiwillig versicherter Rentner besteht eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Pflegeversicherung, wobei die Beiträge ebenfalls selbst getragen werden müssen. Auch hier gelten die Beitragssätze von 3,05 Prozent bzw. 3,3 Prozent bei Kinderlosigkeit. Für die Berechnung der Beiträge werden bei freiwillig Versicherten ebenfalls sämtliche Einkünfte berücksichtigt.

Privat Versicherte sollten auch Pflegerisiko berücksichtigten

Rentner, die sich privat krankenversichern, müssen auch das Pflegerisiko selbst absichern und eine private Pflegeversicherung abschließen. Die Beiträge hierfür müssen selbst getragen werden, wobei in diesem Fall ebenfalls keine Bezuschussung möglich ist.

Krankenversicherung für Rentner: Die passende Krankenkasse finden

Da auch Rentner kranken- und pflegeversichert sind, sollte man sich bereits frühzeitig über die Rahmenbedingungen zur Absicherung im Ruhestand informieren. Denn nicht nur spielt die Art der Krankenversicherung eine Rolle, auch die jeweilige Krankenkasse bzw. private Krankenversicherung sollte zu den eigenen Bedürfnissen passen. Deshalb sollte man bereits während des Berufslebens über Krankenversicherungswechsel – besonders zwischen der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung – nachdenken. Denn im Ruhestand ist es nicht unerheblich, welche Krankenversicherung Rentner zuvor abgeschlossen haben.

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